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Wie appellierte Fethullah Gülen an die Menschen, der Gesellschaft konstruktiv zu dienen?

Geschrieben von Muhammed Çetin am . Veröffentlicht in Fragen und Antworten zur Gülen-Bewegung

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Fethullah Gülen

Bis in die 80-er Jahre hinein litt die Türkei unter einer geradezu hysterischen Politisierung aller gesellschaftlichen Themen und unter künstlichen Trennungslinien, die die Gesellschaft spalteten. Zwischen Linken und Rechten ging es um extremistische und ideologische Standpunkte, zwischen Alewiten und Sunniten um die Konfessionsproblematik, zwischen Türken und Kurden um ethnische Unterschiede, und später stritten Laizisten und Religiöse auch noch um die richtige Definition von Säkularismus.

Themen wie diese beherrschten das gesellschaftliche Leben, sodass Spannungen und Kämpfe ausbrachen, die die Sicherheit und Stabilität und schließlich sogar den Fortbestand der Gesellschaft bedrohten. Die Zahl der Ermordeten ging in die Tausende. Während dieser ganzen Zeit bemühte sich Gülen als Gelehrter, Autor, Prediger und Autorität in der Zivilgesellschaft nach Kräften darum, die Menschen aus dem Sumpf dieser sozialen Spannungen und Konflikte herauszuziehen. Seine Botschaft erreichte das Volk über Audio- oder Videokassetten sowie durch öffentliche Vorträge und in privaten Zusammenkünften. Gülen appellierte an sein Publikum, sich auf keinen Fall in Partisanenkämpfe und ideologische Gefechte verwickeln zu lassen. Er analysierte den herrschenden Zustand und die Ideologien, die sich hinter der Gewalt, dem Terror und den Zusammenstößen verbargen. Er widmete alle seine intellektuellen und persönlichen Ressourcen dem Ziel, der Bevölkerung (und allen voran den jungen Studenten) klar zu machen, dass es keinen Sinn machte, Zuflucht bei Gewalt, Terror und Zerstörung zu suchen, wenn man doch eine fortschrittliche, florierende und friedvolle Gesellschaft aufbauen wollte. Er pochte darauf, dass Gewalt, Terror, Mord, Ignoranz, moralischer Verfall und Korruption durch Gedankenaustausch, Zusammenarbeit und Bildung überwunden werden können. Zudem erinnerte er die Menschen daran, dass sie sich nicht allein auf den Staat verlassen durften, den er in mancherlei Hinsicht als rückständig, bürokratisch, parteiisch und schwerfällig kritisierte; außerdem mangele es ihm an qualifiziertem Personal. Stattdessen forderte er sie dazu auf, von ihrem verfassungsmäßigen Recht, der Gesellschaft konstruktiv und uneigennützig zu dienen, Gebrauch zu machen. Und tatsächlich gelang es ihm, sie davon zu überzeugen, dass ein solcher Dienst Weg und Ziel eines jeden guten Menschen, Bürgers und Gläubigen sein muss.

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