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Was bedeutet Reflexivität, und warum wird Hizmet oft als reflexiv bezeichnet?

Geschrieben von Muhammed Çetin am . Veröffentlicht in Fragen und Antworten zur Gülen-Bewegung

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Fethullah Gülen

Ein Handeln, das Reflexivität erzeugt, ermöglicht Individuen, im Rahmen der von ihrem Umfeld festgelegten Grenzen zu erkennen, welche sozialisierenden Kräfte auf sie einwirken, und sich bei Bedarf einen anderen Platz im sozialen Gefüge zu suchen. Es ermöglicht ihnen außerdem, ihre Autonomie und Unterschiedlichkeit von anderen Akteuren eines Systems geltend zu machen und aufrecht zu erhalten, in ihrem eigenen Handeln einen Sinn zu sehen, von der Sinnhaftigkeit ihres Handelns überzeugt zu sein und sie anderen darzulegen. Diese Sinnhaftigkeit geht über das konkrete Handeln hinaus und bildet die kollektive Identität. Sie wird verstärkt durch die Zugehörigkeit zu Organisations- und Kommunikationsnetzen, weil solche Netze Solidarität schaffen und weil sich in ihnen Widerstand gegen Vorgaben (hinsichtlich Identität oder Sinnhaftigkeit) formiert, die den Betreffenden durch unnahbare, ferne Mächte von oben aufgenötigt werden.

Die Hizmet-Bewegung wird zurecht als sehr reflexiv bezeichnet, denn ihre kollektive Identität basiert nicht auf primären Assoziationen wie Geschlecht, Alter, Wohnort, ethnischer Herkunft oder Religion, sondern auf Projekten und Diensten für das Gemeinwohl. Reflexivität ist sowohl das Resultat als auch die Triebfeder kollektiven Handelns. Sie geht aus gemeinschaftlichen Aktivitäten hervor und zieht weitere gemeinschaftliche Aktivitäten nach sich.

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