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Was hat es mit der ‚ Arbeitsgruppe West‘ auf sich, und warum agitierte sie gegen Hizmet?

Geschrieben von Muhammed Çetin am . Veröffentlicht in Fragen und Antworten zur Gülen-Bewegung

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Fethullah Gülen

Die Arbeitsgruppe West wurde ursprünglich innerhalb des türkischen Militärs (TSK) eingerichtet. Später wurde sie aufgelöst oder in mehrere taktische Einheiten unterteilt. Die Arbeitsgruppe West mischte in Politik und Staat mit, was so weit ging, dass sie anti-demokratische Pläne verfolgte und Putsch-ähnliche Aktionen inszenierte. (Als die Gruppe aufgelöst wurde, schlossen sich ihre Mitglieder Kampfeinheiten der TSK an, die dann auch weiterhin Strategien für Putschversuche entwickelten.) Die Gruppe behauptete, ihr Name versinnbildliche die Treue zu westlichen Werten, schließlich sei die Verwestlichung eines der Grundprinzipien der Türkischen Republik.

Das Vorgehen der Gruppe strafte diese Behauptung jedoch Lügen. Denn wer sich als Hüter der Demokratie geriert, muss das demokratische Spiel auch in vollem Umfang spielen. Die Demokratie zu schützen bedeutet, zu verlangen, dass alle politischen Akteure der Öffentlichkeit die Hintergründe ihrer Standpunkte und ihrer Politik darlegen. Es bedeutet sicherzustellen, dass die ‚Spielregeln‘ eingehalten werden. Es bedeutet, sich gegen eine Monopolisierung von Informationen zu wehren. Es bedeutet, der Politik der Regierung durch das Aufzeigen glaubwürdiger Alternativen eine konstruktive Opposition entgegenzusetzen. Es bedeutet auch, dass man die Autonomie der Akteure der Zivilgesellschaft respektiert und ihre Sorgen auch in der Politik ernstnimmt. Generell müssen die politischen Akteure und die Gesamtgesellschaft es akzeptieren und respektieren, wenn die Akteure aus der Zivilgesellschaft Abstand von der Politik halten.

Leider war die Kultur dieser und ähnlich spezieller Interessengruppen am 28. Februar 1997, dem Tag des postmodernen Putsches, und während der anschließenden Interventionen zu schlecht vorbereitet, um die Aufgabe von Vertretern der Demokratie wahrnehmen zu können; denn diese Gruppen haben schon immer alles darangesetzt, selbst noch so positiven Resultaten der Zivilgesellschaft eine politische Motivation zu unterstellen oder sie für gefährlich oder manipulierend zu erklären. Die türkische Öffentlichkeit erkennt nun, dass sich Interessengruppen, die Einheiten wie die Arbeitsgruppe West rekrutieren, in Wirklichkeit überhaupt nicht um westliche Werte scheren. Die Mitglieder dieser Gruppen träumen von einem Westen ohne Demokratisierung, ohne individuelle Rechte, Menschenrechte, Religionsfreiheit und zivile Initiativen.

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