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Praktiziert Fethullah Gülen in seiner Ablehnung des Islamismus Taqiyya?

Geschrieben von Muhammed Çetin am . Veröffentlicht in Fragen und Antworten zur Gülen-Bewegung

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Fethullah Gülen

Nein. Fethullah Gülen gibt nicht nur vor, die islamistische Ideologie abzulehnen. In Printmedien und im Rundfunk hat er öffentlich immer wieder betont, dass er und die türkischen Muslime, genau wie alle anderen Sunniten auch, dieses Konzept der Täuschung oder Verstellung im Glauben und in der Glaubenspraxis weder praktizieren noch dulden. Entsprechende Verdächtigungen seien jedoch symptomatisch für die Simplifizierung der sozio-kulturellen und spirituellen Dynamik der Bewegung. Die Taqiyya widerspreche eindeutig dem Bewusstsein und der klaren Haltung der wachsenden Zahl der Mitwirkenden in der Bewegung (inzwischen sind es mehrere Millionen). Diese habe nie Zweifel daran gelassen, dass sie die Strategie der Verstellung, die islamistische Gruppen in manchen Ländern verfolgen, für inakzeptabel hält.

Es gibt gute Gründe festzustellen, dass Fethullah Gülen kein verkappter Islamist ist und die islamistische Erkenntnistheorie ablehnt. Schon vor, aber vor allem nach dem 11. September 2001 trat Fethullah Gülen zum Beispiel in der Öffentlichkeit als intellektuelle und moralische Führungspersönlichkeit in Erscheinung. In sehr mutigen und unmissverständlichen öffentlichen Erklärungen verurteilte er jede Art von Terror und ging sehr ausführlich auf alle Fragen ein, die mit diesem Thema verbunden sind. Er pochte darauf, dass die Grundprinzipien der Religion jenen politischideologischen Interpretationen, die Terroranschlägen zugrunde liegen und sie motivieren, ganz und gar widersprechen und dass diese Grundprinzipien Muslimen und anderen Menschen schon in der Schule vermittelt werden sollten. Er verlangte damals auch, dass Administratoren, Intellektuelle, Gelehrte und Vertreter des Gemeinwesens gemeinsam an einem Strang ziehen sollten, um die Urheber der Anschläge zu identifizieren und herauszufinden, welche Beweggründe sich hinter den terroristischen Aktivitäten verbargen. Außerdem verwies er darauf, dass es länderübergreifende Organisationen gebe, die in aller Öffentlichkeit oder auch im Verborgenen darauf hinarbeiten, Zerstörung anzurichten und die Gesellschaft in Angst und Schrecken zu versetzen.

* Unter Taqiyya versteht man das Verbergen des eigenen Glaubens und der eigenen religiösen Zugehörigkeit. Für Schiiten gehört die Taqiyya zu den Grundpfeilern des Glaubens, für Sunniten hingegen ist sie nicht Gegenstand der religiösen Praxis. [Anm. d. Redakteurs]

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