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Geht es Hizmet nicht vielleicht auch darum, altmodische und konservative Verhaltensmuster in der Gesellschaft zu propagieren und zu festigen?

Geschrieben von Muhammed Çetin am . Veröffentlicht in Fragen und Antworten zur Gülen-Bewegung

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Fethullah Gülen

Nein. Obwohl Gülen und Hizmet durchaus Verfechter traditioneller Werte sind, führen die Aktivitäten der Bewegung langfristig stets zu Modernisierung und Innovation, zu mehr Chancengleichheit und zu einem besseren Angebot an sozialen Diensten. Dies belegen die Resultate, die sie erzielt, sehr eindrucksvoll. Die Effektivität und Professionalität der von den Mitwirkenden in der Bewegung außerhalb und in der Türkei angebotenen Dienste findet inzwischen weltweit Anerkennung. In einem extrem wettbewerbsorientierten Umfeld war die Hizmet- Bewegung sowohl in administrativer als auch in operativer Hinsicht erfolgreich und konnte ihre Erfolge in den vergangenen 30 Jahren immer weiter ausbauen.

Die hochwertige säkulare Ausbildung, die die von Fethullah Gülen inspirierten Einrichtungen auf sekundärer und tertiärer Ebene anbieten, die mit universellen, im Islam verwurzelten moralischen Werten verknüpfte Geisteshaltung der Dienst-Ethik und auch die kulturellen und berufsmäßigen Erfahrungen, die sowohl mit dem Erhalt als auch mit der Vermittlung einer modernen Erziehung verknüpft sind, haben der Türkei eine beachtliche horizontale und vertikale soziale Mobilität beschert. Die Hizmet- Bewegung hat somit einen wertvollen Beitrag zur Modernisierung der Gesellschaft geleistet - eine Entwicklung, die so von den protektionistischen Interessengruppen innerhalb des Machtestablishments der Türkei nicht erwartet worden war. Sie ist ein Ergebnis, das all ihre Annahmen (und Vorurteile) widerlegt und beweist, dass Hizmet sehr wohl dazu in der Lage ist, von den menschlichen und kulturellen Ressourcen des Landes und von der Geschichte des türkischen Volkes auf intelligente und bereichernde Weise zu profitieren.

Allerdings kann das Wirken von Hizmet nur so lange Früchte tragen, wie der Staat darauf verzichtet, die Gesellschaft als Ganzes seiner bürokratisch-zentralistischen Kontrolle zu unterwerfen. Willkürliche Einschränkungen (z.B. Razzien bei zivilgesellschaftlichen SMOs durch unbefugte Angehörige des Militärs) blockieren partizipative Prozesse und beschneiden die demokratischen Rechte, die im Rahmen dieser Prozesse geltend gemacht werden. Sie bedeuten im Gegenzug eine Stärkung der protektionistischen Mechanismen und exklusivistischen Werte, die die Gesellschaft ihrer ‚Offenheit‘ berauben.

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