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Gibt es einen Unterschied zwischen dem, was die Bewegung unter Altruismus versteht, und anderen Altruismus-Konzepten?

Geschrieben von Muhammed Çetin am . Veröffentlicht in Fragen und Antworten zur Gülen-Bewegung

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Fethullah Gülen

Der Altruismus ist ein ethisches Verantwortungsbild, demzufolge Individuen moralisch dazu verpflichtet sind, einander zu hel fen und zu dienen und voneinander zu profitieren - selbst dann, wenn die eigenen Interessen darunter leiden. Es gibt unterschiedliche Altruismus- Konzepte. Die meisten Religionen der Welt messen dem Altruismus einen religiösen oder moralischen Wert zu und rufen im Kontext von Selbstdisziplin und einer Zügelung der eigenen Interessen und Wünsche zu altruistischem Verhalten auf. Psychologen, Soziologen, Biologen und Verhaltensforscher hingegen sind anderer Ansicht. Viele von ihnen betrachten Altruismus entweder als eine spezielle, langfristig ausgerichtete Form des Eigennutzes oder gar als blanke Illusion.

Aus islamischer Sicht ist Altruismus kein Hindernis für Selbstentfaltung, Leistungsfähigkeit und Kreativität, und er ist auch kein ideologisches Konstrukt, das von den Schwachen ersonnen wurde, um von den Starken zu schmarotzen. Dieser Altruismus lässt sich nicht mit der Spieltheorie berechnen, die Aufschluss darüber gibt, welcher Strategie sich die Akteure in einer bestimmten gegebenen Situation bedienen können, und mit der sich ein Mittelwert oder das zu erwartende Ergebnis jedes unternommenen ‚Schrittes‘ oder jeder ‚Schrittfolge‘ ermitteln lässt. Auch fällt Altruismus der islamischen Tradition gemäß nicht unter den Begriff Konsequentialismus; oder mit anderen Worten: Eine Handlung ist nicht deshalb automatisch ethisch korrekt, nur weil sie positive Konsequenzen nach sich zieht. Was der Islam lehrt, unterscheidet sich somit erheblich von der Sichtweise derer, die im Altruismus Mechanismen am Werk sehen, die Individuen oder Gattungen das Überleben oder Selbstschutz ermöglichen.

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