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Haben die Mitwirkenden in der Bewegung neben ihrem Altruismus noch weitere Beweggründe, ihre Dienste anzubieten?

Geschrieben von Muhammed Çetin am . Veröffentlicht in Fragen und Antworten zur Gülen-Bewegung

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Fethullah Gülen

Die Mitwirkenden in der Bewegung rechtfertigen ihre freiwillige Tätigkeit mit der Überzeugung, dass es richtig und gut ist, sich für die Mitmenschen einzusetzen, und dass es eine moralische Pflicht ist, sie fair zu behandeln. Diese moralische oder philanthropische Haltung speist sich aus der allgemeingültigen religiösen Maxime, dass „den Menschen zu dienen, bedeutet, Gott zu dienen“ oder aus einem Hadith, der besagt, dass „der beste unter euch derjenige ist, der anderen Menschen von größtem Nutzen ist“. Wohltätigkeit wird als ein Lebensweg verstanden, als eine Methode, mit der sich die eigenen Absichten und Reichtümer, ja sogar das ganze Leben reinigen lässt.

Darüber hinaus werden nicht nur türkische Muslime zweifellos von ihrem Glauben dazu inspiriert, Sadaqa (eine freiwillige gottgefällige Gabe) und Zakat (die vorgeschriebene jährliche Sozialabgabe) zu entrichten und Vakifs (wohltätige Stiftungen) einzurichten. Dem Islam gemäß sind die Wohlhabenden dazu verpflichtet, anderen Menschen zu helfen und Schwache, Verzweifelte, Unterprivilegierte, Reisende, Waisen, Witwen und Studenten zu unterstützen. Wer reich ist, muss sich auch um die Armen kümmern, weil er (oder sie) vor Gott Verantwortung für sie trägt.

Fethullah Gülen lehrt, dass der Weg zum ewigen Leben und zum Wohlgefallen des Spenders allen Lebens über den Dienst an Gott führen muss, und dieser erfordert zunächst einmal den Dienst an der eigenen Familie, an Verwandten und Nachbarn, dann am eigenen Land und Volk und schließlich an Menschheit und Schöpfung: „Dieser Dienst ist unser Recht; ihn anderen anzubieten ist unsere Pflicht.“

Da die Bewegung inzwischen transnationalen Charakter besitzt und Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen und Überzeugungen in ihr zusammenarbeiten, können sich die Motive der Mitwirkenden für ihren Altruismus unterscheiden. Das heißt, dass Altruismus nicht nur als religiöse Pflicht verstanden wird, sondern auch als ein Akt der Großzügigkeit und als eine Eigenschaft, die einen wahren Menschen auszeichnet.

Ganz allgemein betrachtet ist Altruismus eine Handlungsweise, a) die einem anderen Menschen als dem Handelnden Nutzen bringt, b) die auf einer freien Entscheidung des Handelnden beruht, c) deren Ziel in eben diesem Nutzen liegt und d) für die der Handelnde keinerlei Gegenleistung erwartet. Im Falle von Hizmet steht das altruistische Dienen ganz im Vordergrund, was der Bewegung ihren ureigenen Charakter verleiht.

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