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Warum fällt Hizmet in die Kategorie kultureller oder sozialer Akteur, warum ist die Bewegung kein politischer Akteur?

Geschrieben von Muhammed Çetin am . Veröffentlicht in Fragen und Antworten zur Gülen-Bewegung

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Fethullah Gülen

Politische Akteure gelten als Interessengruppen und werden in Relation zur Regierung oder zu anderen politisch motivierten oder orientierten Einheiten eines politischen Systems definiert, während die Relevanz und die Ziele sozialer Bewegungen weit über diese Bereiche hinausreichen und sich auf ganz andere institutionelle Felder und Autoritäten erstrecken. Politische Akteure engagieren sich für Reformen, für ihre eigene Einbeziehung und für eine Neudefinition von Regeln, Rechten und Grenzen der politischen Systeme; aus diesem Grunde interagieren sie mit den politischen Autoritäten, verhandeln mit ihnen und tauschen sich mit ihnen aus. Sie streben danach, die politische Entscheidungsfindung auf institutionellem und manchmal auch nichtinstitutionellem Wege zu beeinflussen.

Im Gegensatz dazu sprechen nichtpolitische Akteure ihre Themen grundsätzlich in kultureller Form oder in kulturellen Begriffen an und bringen sie so in die Öffentlichkeit. Sie suchen nach Gemeinsamkeiten, um möglichst vielen Menschen eine Partizipation zu ermöglichen. Sie benennen und formulieren ihre Themen in der Öffentlichkeit so, dass die Menschen sie verstehen können, und überlassen es dann den politischen Instrumenten und Akteuren, diese Themen weiter zu entwickeln.

Diesen Definitionen zufolge fällt Hizmet in die Kategorie kultureller oder sozialer Akteur, nicht in die Kategorie politischer Akteur. Zwar betrachtet die Bewegung politisches Handeln als legal, legitim und unverzichtbar für die Demokratie; sie selbst hält sich jedoch aus der formalen Politik heraus und konzentriert sich auf ihrer eigenen spezifischen Ebene innerhalb der vom Gesetz gesteckten Grenzen auf klar definierte konkrete und Einigkeit schaffende Ziele und Dienste.

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