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Verfügt die Bewegung über irgendwelche geheime, exklusive, heilige Texte und Rituale? Nimmt sie priesterliche Funktionen wahr oder hat sie ihre eigenen Uniformen?

Geschrieben von Muhammed Çetin am . Veröffentlicht in Fragen und Antworten zur Gülen-Bewegung

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Fethullah Gülen

Die Bewegung besitzt keine geheimen Texte, auf die nur sie allein sich berufen würde, sie pflegt keine Rituale und nimmt keine priesterlichen Funktionen wahr. Die Mitwirkenden tragen weder Uniformen noch Insignien und bedienen sich keiner speziellen Gesten, Gebärden oder Methoden, die zur Ausprägung einer geschlossenen Gruppenidentität beitragen würden. Die Bewegung stellt auch niemandem Erfolge oder Erträge in Aussicht, die in der realen Welt mit den herkömmlichen Mitteln menschlichen Strebens nicht erzielt werden könnten. Sie lehnt es ab, sich auf abstrakte und anachronistische Weise sakral selbst zu beweihräuchern. Das Handeln der Bewegung zielt weder gegen einen realen noch gegen einen mythischen Feind. Sie kennt keinen konstruierten ‚Gegenspieler‘, dem sie die Schuld geben könnte, wenn irgendetwas schiefgeht. Jedes Scheitern muss vielmehr innerhalb des Referenz- und Verantwortungsrahmens des betreffenden Akteurs sozial definiert werden.

Statt andere Menschen oder Gruppen für soziale Probleme oder individuelle Fehlleistungen verantwortlich zu machen, benennt Fethullah Gülen Phänomene und persönliche Eigenschaften, die es zu bekämpfen gilt. Er führt sämtliche Missstände in der modernen Türkei auf drei Faktoren zurück: Unwissenheit, Armut und innere Spaltung (soziale Uneinigkeit). Er fügt hinzu: „Zu diesen kommen noch Betrug, Schikanierung, Nötigung, Extravaganz, Dekadenz, Obszönität, Gefühllosigkeit, Gleichgültigkeit und geistige Verrohung. [...] Desinteresse an religiösen und historischen Dynamiken, Defizite in Gelehrsamkeit, Wissen und systematischem Denken [...] und Unwissenheit gehören zu den wichtigsten Gründen dafür, dass die Türkei und die ganze Region heute von Elend und Armut geschlagen sind.

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