Fethullah Gülen präsentiert ein Gegenmittel gegen den Terror

Im Namen des Islam antwortet Fethullah Gülen all jenen als Stimme der Vernunft, die sich an brutalen terroristischen Anschlägen beteiligen. Seine Antwort ist von entscheidender Bedeutung. Gülen empfiehlt eine Kultur, die auf Toleranz basiert...

Lange Zeit stand der Begriff al-Qaida nicht nur für eine Terrororganisation, sondern auch für eine weltweite terroristische Ideologie. Ein Krieg gegen terroristische Organisationen kann von Polizei und Geheimdiensten geführt werden. Ein Krieg gegen eine Ideologie jedoch erfordert Intellektuelle statt Polizisten, offene Medien statt Geheimdienste. Bislang setzte man im Krieg gegen den Terror auf die Hemmung terroristischer Aktivitäten, wobei an vorderster Front die Sicherheitseinheiten kämpften. Mehr können westliche Länder nicht tun.

Andererseits müssen sie aber auch irgendeine Reaktion zeigen, denn der al-Qaida-Terror richtet sich ja in erster Linie gegen westliche Ziele und den westlichen Wohlstand. Der Islam wiederum findet sich am heikelsten Punkt zwischen allen Stühlen wieder. Denn al-Qaida zieht den Namen des Islam unwiderruflich in den Schmutz. Deshalb schrieb Abdulhamit Bilici in seinem Artikel vom 17. März in der Tageszeitung ,Zaman': „Wir müssen einfach begreifen, dass al-Qaida, wenn sie denn verantwortlich ist, die größte Bedrohung darstellt, die die Muslime bedroht; und noch dringender als der Rest der Welt müssen wir eine Lösung finden. Der Titel dieses Artikels war: „Wie lang werden die muslimischen Staaten zu al-Qaida schweigen?" Die islamische Antwort auf den Terror kam von Fethullah Gülen. Gülen hat einen Namen in der nicht-muslimischen Welt. Er ist auch bekannt als ein Mensch, der zu Toleranz aufruft und sich für einen unaufdringlichen und konstruktiven Dialog im Rahmen gegenseitigen Verständnisses ausspricht.

Viele haben auf seine deutlichen Worte gewartet: „Der Islam betrachtet das Töten eines anderen Menschen als gleich bedeutend mit Kufr [Unglauben]." Oder: „Niemand darf sich als Selbstmordattentäter betätigen." „Individuen können keinen Krieg erklären." Dies bedeutet, dass ein Mörder seine Religion verliert. Jemand, der Selbstmord begeht oder einen anderen Menschen umbringt, kann kein Muslim sein. Wenn ein Individuum den Krieg erklärt, widerspricht das der islamischen Rechtsprechung. Am nächsten Tag fährt er fort: „Einer der Menschen, die ich auf der Welt am meisten hasse, ist [Osama] Bin Laden, weil er das helle Erscheinungsbild des Islam getrübt und es durch ein schmutziges Bild ersetzt hat." Später fügt er hinzu: „Schuld ist die [mangelnde] Bildung. Die Bildung kann verhindern, dass so etwas passiert." Das heißt, die islamische Bildung hat versagt. Sie hat die Menschen nicht gelehrt, im Namen Gottes Gutes zu tun und sich vom Schlechten fern zu halten.

Ein Friedensappell an die Nation der Welt

Gülens Interview findet in vielerlei Hinsicht Beachtung. Gülen verurteilt den Terror mit härteren Worten als andere islamische Führer. Gülen zeigt auf, wie der Terror besiegt werden kann. Insbesondere in der arabischen Welt ist die Zahl der Muslime, die den Terror als einen Protest gegen Globalisierung und Moderne betrachten, nicht gerade gering. Sie benutzen die Religion als eine Tarnung für diesen Protest und für Terror. Gülen hingegen empfiehlt in diesem Kontext eine Öffnung hin zu Moderne und Globalisierung. In Schulen, die seiner Linie nahe stehen, bildet er Jugendliche mit dem Ziel aus, sie fähig zu machen, selbstständig aufzustehen und in der neuen Welt erfolgreich zu sein.

Er ruft die Muslime auf, sich gegenüber Moderne und Globalisierung zu öffnen. Die westliche Welt kann von ihm lernen, dass es auch Werte jenseits einer Monotyp-Ordnung und eine andere Globalisierung als im Bereich der Wirtschaft gibt. Gülen sagt, er betrachte die Religion als eine starke Energie, die das Leben der Menschen prägen kann. Er lehrt die Menschen, dass verschiedene Religionen unter dem Dach der Globalisierung Seite an Seite leben können - abseits von Hass und Terror, im nahen Umfeld von Frieden und Toleranz.

In einer im Westen immer wieder vorgebrachten Kritik heißt es, der islamischen Welt mangele es an Selbstkritik; stattdessen versuche sie nur, andere verantwortlich zu machen. Gülen selbst erneuert diese Kritik und fordert die Individuen auf, einander so zu akzeptieren, wie sie sind. Daher kritisiert er in seinem Interview auch diejenigen, die andere Menschen nicht akzeptieren können. Gülen fordert Solidarität und Gleichheit und die Entwicklung einer gewaltfreien Kultur, die auf Toleranz gründet. Ähnlich hatte er sich auch schon zuvor geäußert, als er an das Konzept des gemeinsamen Erbes des [Propheten] Abraham, an dessen Geist und Gottvertrauen erinnerte. Mit seiner Aussage „Die Weite in der Seele des Islam wurde verengt" beklagt er sich über die gegenwärtige Situation.

„Gülen, eine starke Stimme des Islam"

Gülen, als die Stimme der Vernunft, antwortet denjenigen, die im Namen des Islam Terroranschläge und brutale Straftaten begehen. Seine Antwort ist deshalb so unglaublich wichtig, weil eine wachsende Zahl von islamischen Rechtsgelehrten Bin Ladens Videokassetten interpretiert und sie zu einer ,Dschihad-Ideologie' ausformuliert.

Diese Gelehrten haben das Internet in eine Art ,Dschihad-Universität' verwandelt. Ägypter wie Seyd Qutb und andere waren die Ersten, die Hass predigten und so Bin Laden den Weg ebneten. In den letzten Jahren haben sich einige Palästinenser wie z.B. Abu Mohammed al-Maqdisi und Omar Ibn Mahmud Abu Omar (alias Abu Qatadah) neben diesen eingereiht; auch Saudis wie Abdurrahman al-Ezdi und Abdulaziz al-Cerbu haben al-Qaida interpretiert.

Der einflussreichste Interpret Bin Ladens ist der Palästinenser al-Maqdisi. Er ist der spirituelle Führer einer Terrorgruppe mit Namen ,Bayt al-Imam', die für die [terroristischen] Aktivitäten vom 15. und 20. November letzten Jahres in Istanbul verantwortlich war. Auch wenn der Titel seines wichtigsten Buches ,Millet Ibrahim' lautet, schlägt er so ziemlich den entgegengesetzten Weg zu dem Gülens ein. Maqdisi fordert den gleichen Gehorsam gegenüber Gott, wie ihn Ibrahim gezeigt hat, und beschuldigt alle Führer dieser Welt von diesem Punkt ausgehend, ,Despoten und Ungläubige' zu sein. Ihm zufolge ist die Demokratie die herrschende Macht der Götzenverehrung und eine Erfindung, die sich gegen islamische Werte richtet. Für Maqdisi sind Juden und Christen keine nicht-muslimischen Gläubigen; durch ihre Teilnahme an Wahlen sind sie zu Ungläubigen und Polytheisten geworden.

Die Ideologie al-Qaidas ist inzwischen wichtiger als die Organisation selbst. Zwar verlässt sich al-Qaida auf ihr Netzwerk, doch ist nicht ausgeschlossen, dass dieses in Zukunft immer weniger erreichbar sein wird. Das ,Netzwerk' ist lockerer geworden. Die Mitgliedschaft verändert sich je nach Bedarf und Zeit. Gleichzeitig transportiert al-Qaida eine Dschihad-Botschaft gegen den Westen. Obwohl diese Botschaft in der arabischen Welt an Popularität gewonnen hat, ist die Zahl der Muslime, die gewillt ist, in Bin Ladens gewaltsamem Kampf Partei zu ergreifen, nach wie vor gering. Trotz all seiner Popularität wäre es falsch zu behaupten, dass Bin Laden eine Massenbewegung mobilisiert hat.

Groß angelegte Terrorattacken in Kombination mit al-Qaida, Terrorismus und der Furcht des Westens haben aus Bin Laden einen unerreichbaren Mythos gemacht. Die Zahl der Menschen, die weitere noch schrecklichere Terrorattacken Bin Ladens voraussagen, ist nicht klein. Um Bin Laden seines mythischen Nimbus zu berauben, sollten die westlichen Sicherheitskräfte neue terroristische Attacken erfolgreich verhindern. Im Kampf gegen den Terror sollten jedoch die spirituellen Wurzeln in Betracht gezogen werden. Das kann der Westen nicht allein leisten. Die Initiative dazu muss aus der islamischen Welt kommen. Gülen gibt hier sowohl Muslimen als auch Nicht-Muslimen wichtige Hinweise. Diese Tatsache nährt die Hoffnung, den Terror zu besiegen; denn es ist ausgeschlossen, Terror zu verhindern, ohne den Islam als sein genaues Gegenteil darzustellen. Wenn es gelingt, den Terror abzuwehren, wird der Islam von allen Vorwürfen freigesprochen werden.

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