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Zauberei und Magie

Geschrieben von Fethullah Gülen am . Veröffentlicht in Grundlagen des islamischen Glaubens

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Diejenigen, die bestreiten, dass es so etwas wie Zauberei gibt, tun dies deshalb, weil sie an allem zweifeln, was mit der Religion in Verbindung steht, oder aber weil sie sich der Realitäten jenseits der physischen Sphäre überhaupt nicht bewusst sind. Ein 50-jähriger Mann erzählte mir einmal:

"Bis zum letzten Jahr glaubte ich nicht an so etwas wie Zauberei. Doch letztes Jahr wurde einer meiner Verwandten verrückt. Immer wenn er einen Anfall hatte, erstarrte er und richtete seinen Blick auf einen ganz bestimmten Punkt. Schon bald gab es keinen Arzt mehr, den wir nicht konsultiert hätten, aber vergeblich. Schließlich wandten wir uns an jemanden, der dafür bekannt war, einen Zauber brechen zu können. Er rezitierte Zauberformeln und bediente sich einiger anderer Verfahren. Auf dem Rückweg fragte der Patient plötzlich in ganz normalem Tonfall: ‚Wo bin ich? Was ist mit mir passiert?' Er war wieder zu sich gekommen, und ich gelangte zu dem Schluss, dass Zauberei eine Realität ist."

Fälle wie diesen gibt es unzählige, und fast jeder von uns ist schon einmal Zeuge eines solchen geworden oder hat von einem solchen gehört. Schon deshalb, weil der Prophet erklärt hat, dass ‚der böse Blick' ein unwiderlegbares Faktum ist, ist an der Realität von Magie und Zauberei nicht zu zweifeln. Der Koran erwähnt jene Art von Zauberei, die praktiziert wird, um einen Keil zwischen Eheleute zu treiben, und verurteilt sie. Dem Koran und dem Islam zufolge sind die Anwendung von Zauberei und Magie sowie das Aussprechen eines Zauberbanns genauso schwere Sünden wie der Unglaube. Das Brechen eines Zauberbanns hingegen ist eine gute und verdienstvolle Tat. Dieses Metier muss jedoch erlernt und als Beruf ausgeübt werden. Obwohl unser Prophet mit Dschinn zusammentraf, sie den Islam lehrte und ihnen schließlich den Treueid abnahm, sprach er nie darüber, wie man mit ihnen in Kontakt tritt und wie man ein Zauberbann bricht. Andererseits berichtete er uns, wie sich die Dschinn den Menschen nähern und Kontrolle über sie zu gewinnen versuchen bzw. wie sich der Mensch vor dem Bösen schützen kann. Er beschrieb uns, wie wir ‚dem bösen Blick' entgehen.

Wie wir uns vor bösen Geistern schützen können

1. Die Prinzipien des Islam sind strikt zu befolgen

Der sicherste Weg, sich vor bösen Geistern zu schützen, ist, loyal zu Gott und Seinem Gesandten zu stehen. Dies erfordert, die Prinzipien des Islam strikt zu befolgen.

2. Das Gebet sollte niemals vernachlässigt werden

Wir sollten nie aufhören zu beten. Das Gebet eines Gläubigen ist eine Waffe gegen alle Arten von Feindseligkeit. Das Gebet hilft uns also in besonderem Maße, uns vor allen Arten von Übeln zu schützen und unsere Ziele zu erreichen.

Zu beten bedeutet jedoch nicht, dass wir andere - materielle - Mittel, die zum Erreichen dieser Ziele notwendig sind, ignorieren oder vernachlässigen sollen. Man unterscheidet zwischen vier Arten von Gebeten. Erstens sind da die Gebete, die aus allen Regionen des Universums zum Gerichtshof Gottes gelangen. Einige Geschöpfe wie z.B. Pflanzen und Tiere beten in der Sprache ihres Potenzials, eine vollkommene Form anzunehmen und bestimmte Namen Gottes zu manifestieren.

Die zweite Art von Gebeten wird in der Sprache natürlicher Bedürfnisse formuliert. Für die Befriedigung ihrer vitalen Interessen, die sie selbst nicht befriedigen können, beten alle Lebewesen zu Gott, dem absolut Freigebigen Einen.

Die dritte Art von Gebeten wird in der Sprache völliger Hilflosigkeit dargebracht. In bescheidenen Verhältnissen lebende Geschöpfe suchen über ein aufrichtiges Bittgebet Zuflucht bei ihrem Unsichtbaren Schöpfer und wenden sich so an ihren Barmherzigen Herrn. Diese drei Arten von Gebeten werden immer angenommen, auch wenn sie auf irgendeine Art und Weise beeinträchtigt werden.

Zur vierten Art von Gebeten gehören jene Gebete, die wir alle kennen und sprechen. Auch diese lassen sich in zwei Kategorien unterteilen. Auf der einen Seite die aktiven, die einer natürlichen Veranlagung entspringen, und auf der anderen Seite die ausgesprochenen, die von Herzen kommen. Bestimmten Ursachen gemäß zu handeln, entspricht einem aktiven Gebet. Indem der Mensch sich nach Ursachen richtet, wirbt er bei seinem Anliegen um das Wohlwollen Gottes. Denn die Ursachen selbst sind nicht in der Lage, Resultate zu erzielen; Gott allein ist es, der diese hervorbringt. Die Erde zu pflügen, ist beispielsweise ein aktives Gebet, mit dem wir an die Tür der Schatzkammer der Gnade Gottes klopfen. Das Aufsuchen eines Arztes stellt ein aktives Gebet für das Genesen von einer Krankheit dar. Aus diesem Grunde ist der Gläubige dazu verpflichtet, zum Arzt zu gehen, wenn er krank ist. Wer unter einer Geisteskrankheit leidet, sollte gläubigen Psychiatern den Vorzug geben. Unzählige Fälle haben eindeutig bewiesen, dass die meisten Geisteskrankheiten nicht auf materielle Ursachen zurückzuführen sind und dass eine (physische) Therapie allein noch keine Heilung bewirkt. Die meisten dieser Krankheiten erfordern eine ‚spirituelle' Therapie.

Die aktive Art zu beten wird in den meisten Fällen angenommen, weil sie ein direktes Ersuchen an den Namen Gottes ‚der Freigebige' darstellt. Was die Gebete des Menschen betrifft, die zur zweiten Kategorie gehören, diejenigen nämlich, die mit der Zunge und dem Herzen artikuliert werden, so sind sie die eigentlich wahren. Durch sie fragen wir Gott von Herzen nach etwas, das wir selbst aus eigener Kraft nicht erlangen können. Der wichtigste Aspekt dieser Art von Gebeten und ihre erlesenste, süßeste Frucht ist, dass der Betende Folgendes erkannt hat: Es gibt da Jemanden, der ihn erhört, der Sich aller Angelegenheiten, die ihm am Herzen liegen, bewusst ist und der ihm aus Barmherzigkeit bei Schwäche und Unzulänglichkeit zu Hilfe kommt.

Das Gebet ist eine Form der Verehrung, und der Lohn für unsere Verehrung wird uns prinzipiell erst im Jenseits zuteil. Dass ein Bittgebet erhört wird, muss nicht notwendigerweise heißen, dass es auch auf jeden Fall ‚angenommen' wird. Jedes Bittgebet wird beantwortet. Ob es jedoch angenommen und ob uns das gewährt wird, um was wir gebeten haben, bleibt der Weisheit des Allmächtigen vorbehalten. Stellen wir uns einmal folgende Situation vor: Ein krankes Kind bittet einen Arzt, ihm eine bestimmte Medizin zu geben. Der Arzt wird ihm dann entweder diese Medizin oder eine andere verschreiben, die dem Wohlbefinden des Kindes förderlicher sein wird; vielleicht wird er ihm auch gar keine Medizin geben, wenn er zu dem Schluss kommt, dass jede Medizin der Gesundheit des Kindes abträglich wäre. Auf ähnliche Art und Weise beantwortet Gott, der Allmächtige, der alles hört und alles sieht, die Gebete Seiner Diener. Gott verwandelt die Depression der Einsamkeit in Freude an Seiner Gegenwart. Seine Antwort ist jedoch nicht an die Vorstellungen des Menschen gebunden, vielmehr ist sie Seiner Weisheit überlassen. Seiner Weisheit entsprechend gewährt Er entweder das, was erbeten wurde, oder etwas besseres, vielleicht aber auch gar nichts.

3. Die Bitte um die Fürsprache von Menschen, die Gott nahe stehen

So wie wir selbst beten, müssen wir auch jene, von denen wir glauben, dass sie Gott nahe stehen, bitten, für uns zu beten. Auch die Gefährten baten den Propheten häufig darum, für sie zu beten. Ibn Hanbal, Abu Dawud und Tabarani berichten, dass Umm Hani erzählte:

"Ein geisteskrankes Kind wurde zum Gesandten Gottes gebracht. Dieser berührte es und sagte: ‚Komm heraus, Feind Gottes!' Dann wusch er das Gesicht des Kindes und betete. Das Kind erholte sich von der Geisteskrankheit."

Ähnliche Fälle finden sich auch in der Bibel. Der Prophet Jesus war dafür bekannt, dass er mit der Erlaubnis und der Macht Gottes Wahnsinnige heilte.

4. Wir müssen uns von Exorzisten fern halten

Menschen in Not sind der Versuchung ausgesetzt, sich an so genannte Exorzisten zu wenden. Obwohl es einige Menschen geben mag, die die verschiedenen Methoden, böse Geister auszutreiben, kennen, ist es in den meisten Fällen gefährlich, sie aufzusuchen. Erstens sind Exorzisten zumeist Scharlatane. Zweitens muss ein Exorzist seine religiösen Pflichten genau kennen und sich von Sünden fern halten. Er sollte eine aufrichtige Person sein, die weiß, wie er Menschen zu behandeln hat. Drittens verlassen sich die Patienten normalerweise voll und ganz auf den Exorzisten und machen gegebenenfalls ihn allein für ihre Genesung verantwortlich. Sie vertrauen auf Talismane und Amulette, die sie der Exorzist zu tragen anweist. Unser Prophet hat jedoch gesagt, dass Gott 70.000 Menschen ins Paradies lässt, ohne sie für ihre Taten in dieser Welt zur Verantwortung zu ziehen. Zu ihnen gehören diejenigen, die voll und ganz auf Gott vertrauen, die weder Armreifen und Amulette tragen noch die Dinge in verheißungsvolle und wenig verheißungsvolle unterteilen.

5. Wir sollten uns an gläubige Psychiater wenden

Der Psychiater oder Arzt unserer Wahl sollte kein Mensch sein, der sich auf die engen Grenzen der Materie beschränkt. Ein materialistischer Psychiater, der nicht an den Geist und Geistwesen glaubt, könnte einem Patienten, der an spiritueller Unzufriedenheit leidet oder von bösen Geistern besessen ist, dazu raten, Zuflucht in der Genusssucht zu suchen und sich zu zerstreuen. Das wäre dann so, als würde man einem durstigen Menschen empfehlen, seinen Durst mit Salzwasser zu löschen.

6. Die Rezitation bestimmter Gebete

Der Gesandte Gottes rezitierte zu bestimmten Gelegenheiten bestimmte Gebete, um sich vor den Übeln des Satans und anderer ungläubiger Dschinn zu schützen. Der Thronvers ist einer von ihnen. Ein anderer Koranvers lautet: Und wenn du von Seiten des Satans zu einer Untat aufgestachelt wirst, dann nimm deine Zuflucht bei Allah. (41:36) Wir sollten also sprechen: "Bei Gott suche ich Zuflucht vor dem verfluchten Satan."

Aischa, die Umm al-Mu'minin (die Mutter der Gläubigen) erzählte, dass der Gesandte Gottes jeden Morgen und jeden Abend dreimal die Suren Al-Falaq und An-Nas rezitierte, während er in seine zusammengelegten Handflächen hauchte und mit ihnen dann alle Stellen des Körpers massierte, die er erreichen konnte. Außerdem pflegte der Gesandte Gottes täglich morgens und abends je dreimal die folgenden Worte zu sprechen: Im Namen Gottes! Nichts auf Erden und in den Himmeln kann Seinem Namen Schaden zufügen. Er ist der Hörende, der Allwissende. Diese und die folgende Rezitation gehören zu den Gebeten, die zum Schutz vor Lähmung empfohlen werden: Ich suche in allen Worten Gottes Zuflucht vor allen Teufeln, vor Ungeziefer und vor dem bösen Blick.

Imam Ghazzali rät zum Schutz vor Zauberei und bösen Geistern zur einmaligen Rezitation der Formel Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen!, zur zehnmaligen Rezitation der Worte "Gott ist der Größte!" und zum Aufsagen der Verse Und ein Zauberer soll keinen Erfolg haben, woher er auch kommen mag (20:69) und (Ich nehme meine Zuflucht zum Herrn des Frühlichts) vor dem Übel der Knotenanbläserinnen. (113:4)

Angepriesen wird auch die jeweils 19-mal wiederholte Rezitation dieser beiden Verse, nachdem man eine Flüssigkeit wie Wasser, Tee oder Suppe zu sich genommen hat. Wichtig ist, dass diese Rezitationen in arabischer Sprache erfolgen müssen.

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