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Wie wir vom Glauben an die Wiederauferstehung profitieren

Geschrieben von Fethullah Gülen am . Veröffentlicht in Grundlagen des islamischen Glaubens

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Nach dem Glauben an Gott spielt der Glaube an die Wiederauferstehung die zweitwichtigste Rolle für Aufbau und Schutz einer friedlichen Gesellschaftsordnung. Warum sollten Menschen, die nicht daran glauben, eines Tages für das, was sie in dieser Welt tun, zur Rechenschaft gezogen zu werden, ein ehrenhaftes, aufrechtes Leben führen? Wer dagegen stets in der Überzeugung handelt, sich in der kommenden Welt vor Gott verantworten müssen, wird alles daran setzen, ein diszipliniertes und rechtschaffenes Leben zu führen. Der Koran sagt hierzu:

Du unternimmst nichts, und du verliest von diesem (Buch) keinen Teil des Qur'an, und ihr begeht keine Tat, ohne dass Wir eure Zeugen sind, wenn ihr damit vollauf beschäftigt seid. Und auch nicht das Gewicht eines Stäubchens auf Erden oder im Himmel ist vor deinem Herrn verborgen. Und es gibt nichts, weder etwas Kleineres als dies noch etwas Größeres, das nicht in einem Buche voller Klarheit stünde. (10:61)

Bestimmte Engel protokollieren alles, was wir tun. Außerdem weiß Gott um all unsere Taten, Absichten, Gedanken und Vorstellungen und ist Sich ihrer ganz und gar bewusst. Ein Mensch, der diese Tatsache verinnerlicht hat (und entsprechend handelt), findet wahren Frieden und wahre Glückseligkeit in beiden Welten. Familien und Gemeinschaften, die aus solchen Menschen bestehen, werden schon auf Erden den Eindruck haben, sie lebten im Paradies.

Der Glaube an die Wiederauferstehung bewahrt junge Menschen vor einem ausschweifendem Leben und pflanzt Hoffnung in die Herzen alter Menschen, die sich mit jedem vergehenden Tag dem Grab nähern. Er gibt Kindern die Kraft, den Tod geliebter Menschen zu ertragen. Ein Kind, das davon ausgeht, dass es einst in einer weitaus besseren Welt mit seinen geliebten Menschen wieder zusammenkommen wird, findet im Glauben an die Wiederauferstehung Trost. Jeder Mensch braucht unabhängig vom Alter, Geschlecht oder anderen, vom Menschen ersonnenen, Unterschieden den Glauben an die Wiederauferstehung genauso dringend wie Luft, Wasser und Brot.

Der Glaube an die Wiederauferstehung regt uns Menschen an, ein friedvolles Leben zu führen. Deshalb sollten Intellektuelle, die Frieden und Sicherheit im öffentlichen Leben verwirklicht sehen wollen, auf diesen Glauben besonderen Wert legen. Denn Menschen, die von dem überzeugt sind, was der Koran in den Versen

Wer nun aber auch nur eines Stäubchens Gewicht Gutes tut, wird es sehen; und wer auch nur eines Stäubchens Gewicht Böses tut, wird es sehen (99:7-8)

anspricht, werden ein verantwortungsvolles Leben führen; und eine Gemeinschaft, die sich aus solchen Menschen zusammensetzt, wird wahren Frieden und wahre Glückseligkeit finden. Wenn es gelingt, diesen Glauben in die Herzen der Jugendlichen einzupflanzen, werden diese der Gesellschaft keinen Schaden zufügen, sondern ihre Energien auf den Dienst an ihrer Gemeinschaft und der Menschheit richten.

Kinder sind sehr sensibel und feinfühlig. Sie sind äußerst empfänglich für Unglücksfälle; und Dinge, die ihnen und ihren Familien zustoßen, ängstigen sie ungemein. Wenn sie einen Familienangehörigen verlieren oder zu Waisen werden, verfinstert sich ihre Welt, und sie stürzen in tiefen Kummer und Verzweiflung. Als in meiner Kindheit eine meiner Schwestern starb, war ich vollkommen niedergeschlagen. Ständig ging ich zu ihrem Grab und betete aus tiefstem Herzen zu Gott: "O Gott! Bitte mach sie wieder lebendig und lass mich ihr hübsches Gesicht wieder sehen; oder lass mich sterben, damit ich bei ihr sein kann!" Was sonst, wenn nicht der Glaube an die Wiederauferstehung, der Glaube an ein neuerliches Zusammentreffen mit den geliebten Verstorbenen, kann den Verlust von Eltern, Brüdern, Schwestern und Freunden ausgleichen? Kinder finden nur dann Trost, wenn sie davon überzeugt sind, dass ihre geliebten Menschen ins Paradies eingegangen sind und dass sie eines Tages wieder mit ihnen vereint sein werden.

Womit kann man alte Menschen für die Jahre, für die zurückgelassene Kindheit und Jugend entschädigen? Womit kann man sie über den Verlust ihrer geliebten Menschen, ihrer Freunde, Ehepartner, Kinder oder Enkel, die vor ihnen in die andere Welt gegangen sind, hinweg trösten? Wie kann man ihren die Furcht vor dem Tod und dem Grab, dem sie jeden Tag näher kommen, nehmen? Wie kann man sie den Tod, dessen Hauch sie bereits so intensiv spüren, vergessen lassen? Werden immer neue weltliche Vergnügungen sie trösten können? Nein, nur wenn man sie davon überzeugt, dass das Grab, das ihnen wie ein Drache mit einem weit geöffneten Rachen erscheint, in Wirklichkeit ein Tor zu einer anderen, weitaus besseren Welt darstellt oder ganz einfach ein wunderbarer Warteraum ist, der sich zu jener Welt hin öffnet, kann man sie für ihre Verluste entschädigen und sie aufmuntern.

In seinem unnachahmlichen Stil verleiht der Koran den Empfindungen alter Menschen durch die Worte des Propheten Zacharias Ausdruck:

Erwähnt wird (hier) die Barmherzigkeit deines Herrn gegen Seinen Diener Zacharias. Als er seinen Herrn mit leisem Ruf anrief, sagte er: "Mein Herr, mein Gebein ist nun schwach geworden, und die Haare meines Hauptes schimmern grau, doch niemals, mein Herr, bin ich mit meiner Bitte an Dich unglücklich gewesen." (19:2-4)

Weil er befürchtete, dass sich seine Verwandten nach seinem Tod von seinem Auftrag abwenden würden, bat der Prophet Zacharias seinen Herrn um einen Sohn - um einen Erben, der seine Mission weiterführen würde. Im Grunde genommen manifestiert sich in diesem Anliegen der Ruf aller alten Menschen. Der Glaube an Gott und die Wiederauferstehung verheißt ihnen frohe Kunde: "Fürchtet euch nicht vor dem Tod! Denn der Tod bedeutet nicht ewiges Verlöschen; er ist lediglich ein Transfer von einer Welt in die andere, eine Erlösung von den belastenden Pflichten des weltlichen Lebens und ein Passierschein für eine ewige Welt, in der alle möglichen Schönheiten und Gunstbeweise auf euch warten. Der Barmherzige, der euch in diese Welt sandte und euch so lange in ihr leben ließ, wird euch nicht der Finsternis des Grabes und den dunklen Fluren, die sich zur anderen Welt hin öffnen, überlassen. Er wird euch in Seine Gegenwart holen und euch ein ewiges glückseliges Leben gewähren. Er wird euch mit den Wohltaten des Paradieses segnen." Nur eine frohe Botschaft wie diese kann alten Menschen Trost spenden und ermöglicht ihnen, den Tod mit einem Lächeln willkommen zu heißen.

Unser freier Wille, mit dem wir unser Leben lenken, verleiht uns eine einzigartige Stellung unter allen anderen Geschöpfen. Der freie Wille ist die Manifestation der Barmherzigkeit Gottes. Wenn der Mensch seinen freien Willen in angemessener Weise einsetzt und gute Taten vollbringt, wird er mit den Früchten der Barmherzigkeit belohnt werden. Der Glaube an die Wiederauferstehung ist ein extrem wichtiger und zwingender Faktor, der den Menschen dazu drängt, seinen freien Willen in angemessener Art und Weise zu gebrauchen, sich von sündigen Handlungen und Unrecht fern zu halten und seinen Mitmenschen keinen Schaden zuzufügen.

Sahl ibn Sa'd berichtet, man habe dem Gesandten Gottes von einem jungen Mann erzählt, der sein Haus tagelang nicht verlassen hatte. Der Gesandte suchte ihn also auf. Als der junge Mann ihn so unerwartet vor sich sah, warf er sich ihm in die Arme und starb im selben Augenblick. Muhammad sagte daraufhin zu denjenigen, die an seiner Seite waren: Bahrt den Leichnam eures Freundes auf! Die Furcht vor der Hölle erfüllte ihn zutiefst. Ich schwöre bei dem, in Dessen Hand sich mein Leben befindet, dass Gott ihn mit Sicherheit vor der Hölle bewahren wird.[1] Im Koran lesen wir:

Wer aber das Stehen vor seinem Herrn gefürchtet hatte und die eigene Seele von niederem Gelüst abhielt - so wird das Paradies sicherlich (seine) Herberge sein. (79:40-41)

In einem Hadith qudsi[2] sagt Gott: Ich werde weder zwei Sicherheiten noch zwei Ängste miteinander vereinen.[3] Diejenigen, die Seine Strafe fürchten, während sie in dieser Welt sind, werden demnach in der anderen Welt vor Seiner Strafe in Sicherheit sein. Diejenigen aber, die sich im Diesseits vor Seiner Strafe in Sicherheit wiegen, werden in der anderen Welt keine Sicherheit vor Seiner Strafe finden können.

Als der Kalif Umar einmal einen jungen Mann sah, der sich mutig einem Unrecht widersetzte, sagte er: "Alle Menschen, denen man ihre Jugend genommen hat, sind dem Untergang geweiht." Junge Menschen besitzen die Kraft, Dinge zu verändern. Wenn man es zulässt, dass sie ihre Kraft auf Belanglosigkeiten und Genüsse verschwenden, untergräbt man die Zukunft der eigenen Gemeinschaft. Der Glaube an die Wiederauferstehung bewahrt die jungen Menschen davor, Widerwärtigkeiten zu begehen und ihre Energien an kurzlebige Vergnügungen zu verschleudern, und bringt sie dazu, ein diszipliniertes Leben zu führen und nützliche wie tugendhafte Mitglieder der Gesellschaft zu sein.

Der Glaube an die Wiederauferstehung stellt auch für die Kranken eine Quelle des Trostes dar. Wenn ein gläubiger Patient an einer unheilbaren Krankheit leidet, denkt er sich: "Nun sterbe ich also, und niemand kann mein Leben mehr verlängern. Zum Glück begebe ich mich an einen Ort, an dem ich meine Gesundheit und meine Jugend wiederherstellen und sie für immer genießen werde." Da sie sich dessen ganz sicher waren, haben alle geliebten Diener Gottes, die Propheten wie auch andere fromme Menschen, den Tod mit einem frohen Lächeln empfangen. Der letzte der Propheten, der Prophet Muhammad, sprach in seinen letzten Minuten in dieser Welt: O Allah! Ich sehne mich nach Deiner ewigen Gesellschaft in der ewigen Welt. Einen Tag zuvor hatte er seinen Gefährten mitgeteilt: Gott hat einen Seiner Diener vor die Wahl gestellt, die Schönheiten dieser Welt so lange er möchte zu genießen oder sich für das, was mit Ihm ist, zu entscheiden. Der Diener hat sich für das, was mit Ihm ist, entschieden.

Der Diener, dem die Wahl zwischen dieser Welt und dem Jenseits gelassen worden war, war der Gesandte selbst. Die Gefährten hatten begriffen, wen er meinte, und brachen in Tränen aus.

Als der Kalif Umar über ein riesiges Gebiet von der Westgrenze Ägyptens bis zum Hochland Zentralasiens herrschte, warf er sich eines Tages vor Gott nieder und seufzte: "Ich bin nicht mehr in der Lage, meiner Verantwortung nachzukommen. Lass mich sterben und in Deine Gegenwart gelangen!" Ein solch starkes Verlangen nach der anderen Welt, der Welt der ewigen Schönheit, und nach dem Anblick des ewig Schönen Einen bewegte sowohl den Propheten als auch Umar und zahlreiche andere Menschen dazu, den Tod dem Leben in dieser Welt vorzuziehen.

Die Welt ist ein Gemisch aus Gutem und Bösem, Richtigem und Falschem, Schönem und Hässlichem, Unterdrücker und Unterdrücktem. Viele Fälle von Unrecht bleiben (scheinbar) unbeachtet, und zahllose Menschen, denen Unrecht angetan wurde, werden dafür nicht entschädigt. Nur der Glaube an eine Wiederauferstehung in einer anderen Welt, in der absolute Gerechtigkeit herrschen wird, tröstet die ungerecht Behandelten und Unterdrückten und hält sie davon ab, Rache zu nehmen. Auch diejenigen, die in Bedrängnis geraten sind und von Schicksalsschlägen heimgesucht werden, finden im Glauben an die Wiederauferstehung Trost; denn sie glauben, dass sie durch das, was ihnen widerfährt, von ihren Sünden befreit werden und dass ihnen alles, was sie in einer Katastrophe verloren haben, im Jenseits zurückgegeben wird - ganz als hätten sie es als Almosen gespendet.

Der Glaube an die Wiederauferstehung verwandelt Häuser in Paradiesgärten. In einem Haus, in dem die Jugendlichen ihren Vergnügungen nachgehen, die Kinder sich nicht mit religiösen Gedanken und Praktiken beschäftigen, die Eltern alles mitnehmen, was das Leben für sie bereithält, und die Großeltern ins Altersheim geschickt oder sich selbst überlassen werden, um sich mit Haustieren zu trösten (Enkel, denen sie gern ihre Liebe entgegenbrächten und deren Respekt sie gerne hätten, sind nämlich nicht vorhanden.) - in so einem Haus ist das Leben eine Bürde, die nur schwer zu schultern ist. Der Glaube an die Wiederauferstehung erinnert die Menschen an ihre familiären Pflichten. Wenn sie diesen Pflichten nachkommen, wird eine Atmosphäre der Liebe und Zuneigung und des Respektes im Haus herrschen.

Der Glaube an die Wiederauferstehung sorgt auch dafür, dass Eheleute zu einer intensiveren Liebe und einem tieferen Respekt voreinander finden. Eine Liebe, die auf physischer Schönheit basiert, ist flüchtig und von geringem Wert. In der Regel erlischt sie kurz nach der Heirat. Wenn die Eheleute aber glauben, dass ihre Ehe auch in der anderen Welt, in der sie ewig jung und schön sein werden, für immer fortbestehen wird, dann wird ihre Liebe füreinander auch im Alter nicht dahinschwinden, wenn die physische Schönheit längst verblüht ist.

Wenn ein Familienleben auf dem Glauben an die Wiederauferstehung gründet, wird die Familie das Gefühl haben, sie lebe im Paradies. Und wenn sich die Ordnung eines ganzen Landes auf den Glauben an die Wiederauferstehung stützt, dann werden seine Bewohner ein noch wesentlich schöneres Leben genießen können als das, was sich Plato in seinem Werk Politeia (Die Republik) oder Al-Farabi (lateinisch: Alpharabius) in seinem Werk Madina al-Fadila (Die prächtige Stadt) ausmalten. Ein solches Land würde der Stadt Medina zu Lebzeiten des Propheten Muhammad oder den muslimischen Ländern unter der Herrschaft des Kalifen Umar ähneln.

Um verstehen zu können, wie der Prophet seine Gesellschaft errichtete, möchte ich an dieser Stelle einige Beispiele seiner Aussprüche in Bezug auf die Wiederauferstehung und das Leben nach dem Tode anführen:

Ihr Menschen! Ihr werdet barfüßig, nackt und unbeschnitten auferweckt werden. Hört mir mit voller Aufmerksamkeit zu: Derjenige, der zuerst bekleidet wird, ist Abraham (Friede sei mit ihm!). Gebt Acht, was ich sagen werde: An jenem Tage werden einige aus meiner Gemeinschaft auf der linken Seite ergriffen und zu mir gebracht werden. Ich werde sagen: "O Herr! Dies sind meine Gefährten." Man wird mir sagen: "Du weißt nicht, welche unerfreulichen Dinge sie nach dir taten." Dann werde ich wie der rechtschaffene Diener [d.h. Jesus] sagen: "Ich war ihr Zeuge, als ich noch unter ihnen weilte. Nachdem Du mich zu Dir genommen hast, hast Du sie im Auge behalten. Du bist der Zeuge aller Dinge. Wenn Du sie bestrafst, dann sind sie Deine Sklaven; wenn Du ihnen vergibst, bist Du ganz gewiss der Allmächtige, der Weise."[4]

Seit Gott die Kinder Adams erschaffen hat, kennen sie kein schrecklicheres Ereignis als den Tod. Der Tod ist jedoch leichter als das, was nach ihm kommen wird. Sie werden einen so großen Schrecken erleiden, dass Schweiß ihre Körper bedecken wird, der schließlich ihr Kinn wie Zaumzeug einschließen und sich quasi zu einem Meer auftürmen wird, auf dem sogar Schiffe fahren könnten.[5]

Die Menschen werden in drei Gruppen auferweckt werden: Jene, die Gottesfurcht mit Erwartung verbanden [während sie die Strafe Gottes fürchteten, gaben sie niemals die Hoffnung auf Seine Barmherzigkeit und Vergebung auf], dann jene, die [weil sie in dieser Welt ständig ‚wankten'] versuchen werden, zu zweit, zu dritt, zu viert ... oder zu zehnt ‚auf einem Maultier sitzend' ins Paradies zu gelangen. Die übrigen aber werden im Feuer wieder auferweckt werden [weil sie unentwegt Dinge taten, die dem Höllenfeuer angemessen sind]; wenn sie am Vormittag schlafen wollen, wird die Hölle mit ihnen schlafen gehen; wenn sie die Nacht erreichen, wird die Hölle mit ihnen die Nacht erreichen; wenn sie den Morgen erreichen, wird die Hölle mit ihnen den Morgen erreichen, und wenn sie den Abend erreichen, wird die Hölle mit ihnen den Abend erreichen.[6]

Der Gesandte Gottes stellte sicher, dass seine Gefährten genau verstanden, wie die Hölle beschaffen ist. Er weckte in ihnen die Sehnsucht nach dem Paradies, indem er ihnen frohe Kunde von ihm überbrachte. Infolgedessen waren sie sich der Belohnungen und Strafen Gottes vollauf bewusst. In Bezug auf ihre religiösen Pflichten und auf die Rechte der Menschen waren sie äußerst empfindlich. Zwei von ihnen wandten sich beispielsweise einmal an den Gesandten und baten ihn, eine Meinungsverschiedenheit zwischen ihnen zu schlichten. Nachdem der Gesandte sie angehört hatte, sagte er:

Ich bin ein Mensch wie ihr; deshalb werde ich mein Urteil euren Aussagen gemäß fällen. Möglicherweise spricht einer von euch überzeugender, und ich werde zu seinen Gunsten entscheiden. Gott hingegen wird im Jenseits der Wahrheit der Angelegenheit entsprechen und gerecht urteilen. Der Sünder wird seine gerechte Strafe und der Unschuldige seinen Lohn erhalten.

Diese Worte genügten den Gefährten, um auf ihre eingeforderten Ansprüche zu verzichten. Der Gesandte gab ihnen den Rat:

Geht, und teilt die in Rede stehenden Güter in zwei Teile auf, und dann lasst das Los entscheiden! Jeder von euch sollte sich mit seinem Anteil von ganzem Herzen zufrieden geben, ohne dabei Unbehagen zu empfinden.[7]

Sa'd ibn Rabi' wurde bei der Schlacht von Uhud schwer verletzt. Während er seine letzten Atemzüge tat, flüsterte er Muhammad ibn Maslama, der ihm die Grüße des Gesandten überbrachte, zu: "Übermittle dem Gesandten Gottes meine Grüße! Bei Allah, ich rieche den Duft des Paradieses hinter Uhud!"


[1] Ibn Kathir, Tafsir, 3.539 (Zitat aus: Ibn Asakir; Tarikh ad-Dimaschq)

[2] Ein Hadith qudsi ist ein Ausspruch des Propheten, dessen Bedeutung direkt von Gott und dessen Wortlaut direkt vom Propheten stammt.

[3] Kanz al-Ummal, 3.141, Hadith Nr. 5878

[4] Bukhari, Anbiya', 8.48; Muslim, Dschanna, 56; Tirmidhi, Qiyama, 3

[5] Ahmad ibn Hanbal, Musnad, 3.154

[6] Bukhari, Riqaq, 45; Muslim, Dschanna, 59; An-Nasa'i, Dschana'iz, 118

[7] Bukhari, Schahada, 27; Muslim, Aqdiya, 4; Abu Dawud, Adab, 87

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