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An Wundern darf nicht gezweifelt werden

Geschrieben von Fethullah Gülen am . Veröffentlicht in Grundlagen des islamischen Glaubens

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Der erhabene Prophet erklärte, er sei ein Prophet. Um seine Prophetenschaft zu beweisen, präsentierte er den prächtigen Koran und an die 1.000 Wunder. Dass diese Wunder wirklich so vollbracht wurden, ist nicht zu bestreiten, denn selbst die hartnäckigsten Ungläubigen bezichtigten ihn der Hexerei.

In ihrem Unvermögen, die Wunder zu verleugnen, bezeichneten sie sie als Zauberwerk. So konnten sie ihren Unglauben weiterhin rechtfertigen und damit fortfahren, ihre Anhänger in die Irre zu führen.

Die Wunder des Propheten Muhammad sind von den Hadithgelehrten einmütig bestätigt und überliefert worden. Ein Wunder ist auch die Bestätigung der Prophetenschaft Muhammads durch den Schöpfer, denn Er unterstrich: Du hast die Wahrheit gesprochen. Wenn ein Mensch in Gegenwart eines Herrschers für sich in Anspruch nimmt, der Herrscher habe ihn auf einen bestimmten Posten berufen, dann genügt das Wort ‚Ja!' aus dem Munde des Herrschers, um seine Behauptung als wahr zu bestätigen. Wenn der Herrscher darüber hinaus auf das Bitten dieses Menschen hin seine sonst übliche Praxis und Vorgehensweise ändert, dann bekräftigt dies die Behauptung des Menschen noch zusätzlich. Der erhabene Gesandte nahm analog zu diesem Beispiel für sich in Anspruch, der Gesandte des Schöpfers des Universums zu sein. Jener nahm im Gegenzug bestimmte notwendige Veränderungen an Seinen Gesetzen vor, sodass der Prophet Wunder wirken und die Richtigkeit seines Anspruchs beweisen konnte.

Das Leugnen von Wundern läuft auf das Leugnen der Existenz Gottes, der Prophetenschaft Muhammads und auch der göttlichen Urheberschaft des Koran hinaus. Ein solches Leugnen ist vollkommen absurd und sinnlos; denn während ein einziger Beweis für die Bestätigung einer Behauptung ausreicht, erfordert das Leugnen einer Behauptung eine umfassende Recherche in Zeit und Raum. Wenn zum Beispiel jemand behauptet, es gebe auch schwarze Schwäne, braucht er nur einen einzigen schwarzen Schwan zu präsentieren. Wer hingegen behauptet, es gebe keine schwarzen Schwäne, müsste alle Schwäne vom Beginn bis zum Ende der Zeit untersuchen. Somit ist die Nichtexistenz einer Sache kaum zu beweisen. Diejenigen, die es wagen, Wunder zu leugnen, die Milliarden von Gläubigen und Hunderttausende von rechtschaffenen Menschen, Gelehrten und Wissenschaftlern seit dem Anspruch des Propheten Muhammad auf Prophetenschaft bestätigt haben, gleichen einem Menschen, der behauptet, dass es unmöglich sei, einen prächtigen Palast mit 1.000 Toren zu betreten, nur weil ein eines dieser Tore geschlossen ist.

So gut wie alle Propheten haben Wunder vollbracht. Über Jahrhunderte hinweg haben Millionen von Juden und Milliarden von Christen die Wunder Mose bzw. Jesu bestätigt. Doch welche Schwächen entdecken sie beim Propheten Muhammad, die sie an seinen Wundern zweifeln lassen?

Die Erschaffung Adams, Evas und Jesu ist ein Wunder, denn sie wurden nicht dem Gesetz Gottes gemäß geboren. Auch wenn die Wissenschaft gegenwärtig noch in materialistische Vorstellungen verstrickt ist, wird sie den Ursprung des Lebens doch eines Tages einem Wunder Gottes zuschreiben müssen. Abgesehen davon ist es höchst fragwürdig, ob es überhaupt wissenschaftlich korrekt ist, Glaubensvorstellungen, Konzepten oder Ereignissen, die die Wissenschaft nicht zu erklären vermag, das Etikett eines Mythos anzuheften.

Die Wissenschaft stützt sich auf Theorien und entwickelt sich durch die Überprüfung dieser Theorien auf der Basis von ‚Versuch und Irrtum' weiter. Eine ganze Reihe von heute anerkannten Tatsachen wurden von der Wissenschaft früher einmal für falsch gehalten, und viele früher anerkannte Sachverhalte wurden längst als Irrtümer entlarvt. Darüber hinaus akzeptieren wir viele weitere Dinge ganz selbstverständlich, deren Existenz wir rein wissenschaftlich nicht begründen können. Das Leugnen von Wundern ist insofern unwissenschaftlich, als dass es auf keinem konkreten Beweis gründet. Aber ob mit oder ohne Unterstützung der Wissenschaft - die Wunder des Propheten Muhammad kann niemand leugnen.

Einige mögen Wunder vielleicht als irrational und unlogisch betrachten. Verstand und Intellekt des Menschen besitzen jedoch überhaupt nicht die Fähigkeit, alles, was existiert, zu begreifen. Außerdem gibt es in der Welt keine zwei Menschen, die über exakt die gleiche intellektuelle Auffassungsgabe verfügen. Wessen Intellekt sollte also als Richter fungieren, wenn es darum geht, etwas als vernunftgemäß oder auch nicht zu klassifizieren? Der Koran erklärt:

Wir erhöhen um Rangstufen, wen Wir wollen; und über jedem, der Wissen hat, ist der Eine, der noch mehr weiß. (12:76)

Die prächtige Ordnung, Harmonie und Zweckmäßigkeit der Schöpfung weisen eindeutig auf einen Einzigen Gott hin, der über absolutes Wissen, einen absoluten Willen und absolute Macht verfügt. Dieser Eine, der Schöpfergott, tut das, was Er für richtig hält, denn Er unterliegt keiner Beschränkung durch die Gesetze, die er dem Universum auferlegt hat. Wenn Er es wünscht, kann Er diese Gesetze ändern oder sogar ohne Rücksicht auf diese Gesetze handeln und erschaffen. Von daher besteht unsere Aufgabe darin, die Gesetze Gottes zu erforschen. Genau dafür hat Gott uns unseren Verstand gegeben, und nicht, damit wir Seine Handlungen beurteilen. Der Verstand des Menschen ist beschränkt; und wir alle wissen, dass etwas, was beschränkt ist, nicht über etwas anderes, was nicht beschränkt ist, urteilen darf.

Die Zeit verändert sich entsprechend den Dimensionen von Daseinsformen und Orten. So unterscheiden sich zum Beispiel die Maßeinheiten der Zeit von Planet zu Planet. Je feiner Stoffe sind, desto schneller bewegen sie sich fort. Unser Geist beispielsweise reist wesentlich schneller als unser Körper. Auch die Vorstellungskraft kann innerhalb weniger Sekunden durch alle Sphären hindurch reisen.

Genau wie jeder Mensch über ein individuelles Maß an Kraft verfügt, existieren auch zwischen den Fähigkeiten der einzelnen Spezies große Unterschiede. Der Mensch ist wesentlich kräftiger als eine Ameise oder eine Biene, aber es gibt einige Dinge, die diese Tiere können, und der Mensch nicht. Auch unsichtbare Dinge oder Wesen wie Engel und Dschinn, ja sogar Stürme sind unter Umständen wesentlich stärker als der Mensch. Es gibt jedoch eine Einzige, Absolute Macht, die alle physischen und intellektuellen Kräfte und Fähigkeiten in sich vereint. Und wenn diese Macht doch in der Lage ist, alles zu tun, was Sie für richtig hält, warum sollten wir dann nicht an Wunder glauben?

Da das Gesetz der Kausalität nicht alles erklären kann, werden wir Zeuge von bestimmten, von uns als Wunder bezeichneten Geschehnissen, die wir möglicherweise sogar am eigenen Leib erfahren. Die moderne Physik bestätigt, dass alles, was existiert, sich in einer Woge ständiger Bewegung befindet und es deshalb unmöglich ist zu sagen, ob es eine Sekunde später noch im selben Zustand existiert wie zuvor. Das Gesetz der Kausalität ist daher nichts weiter als ein Schleier, der das Wirken Gottes verhüllt und verhindern soll, dass die Menschen bestimmte unangenehme Dinge und Ereignisse Gott zuschreiben. In Wahrheit ist also die Anerkennung, und nicht das Leugnen von Wundern vernunftgemäß und wissenschaftlich.

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