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Warum hat Gott Seine Diener nicht gleichermaßen ausgestattet? Warum hat Er einige von ihnen blind, behindert oder mit anderen Leiden erschaffen?

Geschrieben von Fethullah Gülen am . Veröffentlicht in Fragen und Antworten

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Zunächst einmal soll betont werden, dass Gott der Souverän und der Herr sowohl der irdischen als auch der spirituellen Herrschaftsbereiche ist. Dort will und erschafft Er, wie es Ihm beliebt: Gesegnet sei der, in Dessen Hand sich die Herrschaft befindet; und Er hat Macht über alle Dinge. (67:1) Seine Souveränität teilt er mit niemandem, und niemand kann sich in das, was Er erschafft, einmischen, solange Er es nicht zulässt. Gott ist es, der jede einzelne Gewebszelle jedes einzelnen Lebewesens und darüber hinaus auch die gesamte unbelebte Schöpfung erschaffen hat. Und Gott ist es auch, der uns unsere menschlichen Wesenszüge verliehen hat. Gott hat von uns nichts bekommen, wir von Ihm jedoch alles, ohne dass wir es uns verdient hätten. Welchen Anspruch oder welches Recht auf was haben wir also überhaupt? Wenn wir unsererseits Gott für das, was Er uns geschenkt hat, in irgendeiner Weise beschenkt hätten, dürften wir vielleicht zwei Augen statt nur eines verlangen oder uns darüber beschweren, nur einen Arm und nicht zwei zu haben. Mit welchem Recht aber wagen wir es, Gott eines Unrechts zu bezichtigen, wo Er uns doch gar nichts schuldet? Ungerechtigkeit entsteht dann, wenn wir nicht das bekommen, was uns zusteht. Gott steht jenseits jeder Ungerechtigkeit, Er schenkt uns alles, was wir besitzen, benutzen oder sehen. Ihm den Vorwurf der Ungerechtigkeit zu machen, ist genauso unangebracht wie absurd. Was haben wir denn für das, was wir erhalten haben, zurückgegeben?

Gott, der Allmächtige, hat jeden von uns aus dem Nichts erschaffen. Ja, Er hat uns alle sogar als Menschen erschaffen. Er hätte uns auch als etwas anderes, oder gar nicht erschaffen können! Wenn wir unsere Umwelt genau betrachten und untersuchen, werden wir zwangsläufig erkennen, dass es eine Menge Geschöpfe gibt, die anders sind als wir selbst: solche, die wir als geringer und schlechter einstufen als uns selbst und mit denen wir nicht tauschen möchten, aber auch solche, mit denen wir gerne tauschen würden, weil eine falsche Denkweise oder eine Form von Neid uns dazu verleiten.

Die hier gestellte Frage beinhaltet aber noch einen zweiten Aspekt, nämlich die Vorsehung Gottes. Gott mag zwar einem Individuum etwas vorenthalten, auf das es Wert legt, doch für diesen Verlust wird der Mensch im Jenseits vielfach entschädigt. Über diesen Verlust vermittelt Gott dem Menschen ein Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit Ihm gegenüber. So sorgt Er dafür, dass wir uns Ihm mit einer ausgeprägteren Aufrichtigkeit und mit einem weiteren Herzen zuwenden und uns Seine Segnungen und Gunstbeweise verdienen. Unser vermeintlicher Verlust ist in Wirklichkeit also ein Gewinn.

Wenn es auch eine Reihe von benachteiligten oder behinderten Menschen geben mag, die niedergeschlagen und entmutigt sind und infolge ihrer Behinderungen vom Glauben abkommen oder sich sogar ganz von ihm lossagen, so sind doch die meisten von ihnen in ihrem Glauben gefestigt. Keinesfalls dürfen ein übertriebenes und ganz sicher unangebrachtes Mitgefühl mit den Behinderten zu einem Vorwand für den Unglauben werden. Weitaus sinnvoller und ganz wesentlich ist es hingegen, bei diesen Menschen eine leidenschaftliche Sehnsucht nach dem ewigen Leben zu wecken, die sie im Jenseits einer unermesslichen Belohnung würdig erscheinen lässt.

Wenn die Behinderungen einiger Menschen diejenigen, die sich einer guten Gesundheit erfreuen, dazu bewegen, all das, wofür sie dankbar sein sollten, zu bejahen und anzuerkennen und ihre Persönlichkeit, ihr Menschsein und ihre Nähe zu Gott auf eine höhere Stufe zu führen, dann wird dadurch auch die Weisheit der Vorsehung Gottes bejaht, anerkannt und - soweit es dem Menschen möglich ist - verstanden.

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