Gülen sprach zur kurdischen Zeitung

Gülen und das Thema Bildung Teil 1a

In seinem in einer kurdischen Zeitung erschienenen Interview betonte Fethullah Gülen, dass in Sachen Grundrechte und –freiheiten kein Kompromiss eingegangen werden könne.

"Bildung in der eigenen Muttersprache sei auch für Kurden ein Grundrecht."

„Die Türkei sollte weltweit eine wichtige Rolle zum Schutz der Rechte der Kurden übernehmen."

„Der Schlüssel zur Lösung sei es, jedem in einer geschwisterlichen Haltung dasselbe zu wünschen, welches man selbst für sich wünscht."

„Der Schlüssel zur Lösung ist es, für seine Geschwister das zu wünschen, was man für sich selbst wünscht."

„Ideologische Propaganda hat bei uns keinen Platz"

„Das Sicherstellen der Bildung in der Muttersprache sei für den Staat eine Frage der Gerechtigkeit gegenüber seinen Bürgern"

In seinem in einer kurdischen Zeitung erschienenen Interview betonte Fethullah Gülen, dass in Sachen Grundrechte und –freiheiten kein Kompromiss eingegangen werden kann. Bildung in der eigenen Muttersprache sei auch für Kurden ein Grundrecht.

In der kurdischen Zeitung „Rudaw", der in Erbil veröffentlicht wird, beantwortete Fethullah Gülen die Fragen von Rebwar Kerim über den Friedensprozess in der Türkei, den Entwicklungen im Nahen Osten und den Hizmet-Aktivitäten im Gebiet. „Es liegt außerhalb unserer Entscheidungskraft, ob wir türkischer oder kurdischer Herkunft sind", so Gülen. Die Türkei solle weltweit eine wichtige Rolle im Schutz der Rechte der Kurden übernehmen.

Der Schlüssel zur Lösung sei es, jedem in einer geschwisterlichen Haltung dasselbe zu wünschen, welches man selbst für sich wünscht. Das Sicherstellen der Bildung in der Muttersprache sei für den Staat eine Frage der Gerechtigkeit gegenüber seinen Bürgern. Nach der gesetzlichen Sicherstellung dieser könnten auch weitere in der Praxis auftauchende Probleme angesprochen werden, so Gülen.

Die Türkei müsse eine Tür für die Öffnung der Kurden in die globale Welt sein. Gülen gab zum Ausdruck, dass Türken, schon vor den Kurden, sich um die Kurdenfrage kümmern sollten.

Umarmen und Geduld

„Wir sollten zivile Aktivitäten unterstützen, die es sich nachhaltig zum Ziel nehmen, die seit Jahrzehnten andauernden Tränen und den Bluterguss zu stillen. Ebenfalls sollten wir daran arbeiten, dass Ereignisse in unserer Vergangenheit eine gemeinsame Zukunft nicht verhindern. Es ist unerlässlich für uns, mit breitem Horizont und Vernunft konstruktive Aktivitäten und Projekte zustande zu bringen. Aufrichtigkeit, gegenseitige Achtung, Schätzung und Respekt und – wie es in einem Hadith unseres Propheten heißt – „für seine Geschwister zu wünschen, was man für sich selbst wünscht", ja sogar das Achten und Bevorzugen des Gegenübers auf Kosten unserer eigenen Interessen, so wie es die el-Ansar in Medina zu Zeiten des Propheten vorbildlich gezeigt und gelebt haben; all diese Tugenden werden dafür sorgen, dass die Wurzeln der Probleme verfaulen und austrocknen werden. Türkische sowie kurdische zivilgesellschaftliche Organisationen und NGOs sollten versuchen, die Menschen auf einer solchen Basis zur Einheit und Solidarität zu verhelfen. Fürchten sollten wir vor verletzenden Worten und Taten, mit Geduld, Vernunft und einer umarmenden Haltung sollten wir an die Sache rangehen. Jeder sollte möglichst vorsichtig, zurückhaltend agieren und Provokationen vermeiden. Probleme können niemals mit Slogans, Wut, Aggression und das Zerstören von öffentlichem Eigentum gelöst werden. Nicht mit Verbrennung, Zerstörung und Geschrei, sondern mit Weisheit, Weitsicht und Empathie sollten wir an die Sachen rangehen.

Die Seiten sollten die Emotionen des Gegenübers respektieren

Wirtschaftliche, soziale, kulturelle und spirituelle Beziehungen sollte mit der Sicherheitslage Schritt für Schritt verbessert werden. In diesem Rahmen sollten vom Westen bis zum Osten gemeinsame Projekte umgesetzt, bestehende Kapazitäten und Ziele entwickelt werden. Projekte, die unserem Glauben nach die universale Vernunft als „Brücken der Herzen" wahrnimmt.

Die von Kurden bewohnten Regionen sollten zu sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Anziehungsknoten entwickelt und die Attraktivität der Bildung in diesen Gebieten sollte erhöht werden. In der Tat werden nach meiner Überzeugung viele Probleme mit der Bildung gelöst werden. Arbeitslose, schwache und bildungsferne Menschen fühlten sich sowohl in der Vergangenheit, als auch in unserer Gegenwart abgeschoben von der Gesellschaft, nehmen sich als Menschen zweiter Klasse wahr. Doch diese Menschen haben sind sehr intelligent und haben in ihrer Geschichte viel zu Zivilisationen beigetragen. Es ist daher wichtig, diese Menschen von ihren psychologischen Komplexen zu befreien. Währenddessen, sollten Prinzipien der Brüderlichkeit, Gerechtigkeit und Gleichheit beachtet und verletzende, beleidigende Worte und Taten vermieden werden.

Menschenrechte und Freiheiten verlieh uns Gott der Allmächtigen

Provokationen mit dem Ziel Unfrieden zu stiften, Kämpfe, Drohungen und Konflikte zu erzeugen, welche auf eine ethnische und konfessionelle Grundlage beruhen, sollten ignoriert werden. Samen des Aufruhrs in unserer Region sollten mit besonderer Aufmerksamkeit erkannt. Denn dieses Volk kann nicht noch mehr Aufruhr ertragen. Völker des Nahen Ostens haben im Gegensatz zum Zeitalter der Moderne starke historische und traditionelle Werte, die das friedliche Zusammenleben sicherstellen und bekräftigen können. Jahrhundertelang hatten Kurden, Türken, Araber, Christen, Muslime und Juden eine Kultur des Zusammenlebens. Diese Werte sollten mit pädagogischen Modellen und zivilgesellschaftlichen Organisationen wieder entdeckt, wiederbelebt und ins praktische Leben umgesetzt werden.

Hierbei ist ein sehr wichtiger Punkt der Folgende: Rechte und Freiheiten sind keine Phänomene, die von einer höheren Instanz den Menschen gewährt werden oder die die Menschen sich hart erkämpfen müssen, um sie zu erhalten. Diese wurden uns von Gott dem Allmächtigen verliehen, dem Einen der uns erschaffen hat und uns jede Sekunde vor der Nicht-Existenz bewahrt und uns Leben schenkt. Selbst Propheten und alle anderen Menschen sind sich gleich, alle. Bevor wir diese Gleichheit überhaupt anerkennen, kann weder von einer Gerechtigkeit, noch einem Gesetz die Rede sein. Aus diesem Grund sollten Worte und Taten vermieden werden, die ein Image bei den Menschen erwecken, vorzutäuschen, gnädig zu sein, obschon man Grundrechte und –freiheiten sicherstellt. Denn in diesen kann kein Kompromiss mit anderen Werten eingegangen werden. Auf der anderen Seite ist es wiederum nicht wichtig, sich besonders vor gewaltbeinhaltenden Taten, außerhalb der universalen Rechtsgrenzen, fernzuhalten, für welche Zwecke auch immer.

Sie missbrauchen die Aggression der Menschen für ihre eigenen Zwecke / Interessen

Nicht nur die Türkei und der irakische Kurdistan, sondern die gesamte islamische Welt durchläuft eine ihrer qualvollsten und schmerzhaftesten Zeiten in ihrer Geschichte. Unsere Probleme sind überall und zu jeder Zeit dieselben. Unwissenheit, Ignoranz, Armut und Streitigkeit bzw. Uneinigkeit. Diese Hauptprobleme begleiten noch Betrug, Täuschung, gegenseitiges Misstrauen, Feindseligkeit und Tyrannei und Unterdrückung im sozialen, wirtschaftlichen und politischen Leben. Dass dem geistigen, wissenschaftlichen, sozialen, wirtschaftlichen und politischen werden Steine in die Wege gestellt werden, individuellen Potenzialen und Talenten keine Möglichkeit zum Aufblühen geboten wird; persönlichen Interessen eher Beachtung geschenkt wird sind nur einige Gründe für unsere Erbärmlichkeit seit zwei-drei Jahrhunderten. Diese Probleme werden außerdem von Menschen, die nicht wollen dass dieses Volk aufsteht, ständig erfrischt und aufrechtgehalten. Fragwürdig ist aber, inwiefern wir als Araber; Türken, Kurden etc. unseren Problemen bewusst und bedacht und bestimmt darauf sind, Lösungswege zu erforschen.

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